Supreme Person - 15 - 03

Der Shloka

———

न रूपमस्येह तथोपलभ्यते

नान्तो न चादिर्न च सम्प्रतिष्ठा ।

अश्वत्थमेनं सुविरूढमूलं

असङ्गशस्त्रेण दृढेन छित्त्वा ॥

———

na ruupam asyeha tathopalabhjate naanto na tschaadirna tscha sampra-tischthaa.

aschwatt-ha-menam suwiruudha-muulam asanga-schastrena dridhena tschittwaa.

———

Bedeutung / Zusammenfassung

Dieser Vers ist zentral für das Verständnis der Bhagavad Gita über die Natur der materiellen Existenz (Samsara) und den Weg zur Befreiung. Er verwendet die Metapher des umgekehrten Baumes (Ashvattha), um die illusionäre und vergängliche Natur der Welt zu veranschaulichen. Die Botschaft ist, dass die materielle Welt nicht die ultimative Realität ist und dass die Anhaftung an sie die Seele in einem Kreislauf von Geburt und Tod festhält. Die Lösung ist die Entwicklung von Nicht-Anhaftung, die als eine mächtige Waffe beschrieben wird, um sich von den Bindungen der materiellen Welt zu lösen und den Weg zur spirituellen Erkenntnis und Befreiung zu ebnen.

Dessen wahre Form wird hier (in dieser Welt) nicht wahrgenommen; weder sein Ende noch sein Anfang, noch seine feste Grundlage. Diesen Ashvattha (Feigenbaum des Materiellen), dessen Wurzeln sehr tief verwurzelt sind, soll man mit dem festen Schwert der Nicht-Anhaftung fällen.

Der Shloka erklärt, dass die materielle Welt wie ein Ashvattha-Baum ist, dessen wahre Natur, Anfang, Ende oder feste Existenz hier nicht erkannt werden kann. Dieser Baum, dessen Wurzeln tief in materiellen Wünschen verankert sind, muss mit dem starken Schwert der Nicht-Anhaftung gefällt werden, um Befreiung zu erlangen.

Dieser Vers beschreibt die Natur des materiellen Universums, das mit einem umgekehrten Baum verglichen wird, dem Ashvattha-Baum. Die spirituelle Bedeutung ist, dass dieser Baum des materiellen Daseins keine erkennbare Form, keinen Anfang, kein Ende und keine feste Grundlage in dieser Welt hat, weil er eine Illusion ist, die aus unseren materiellen Anhaftungen entsteht. Er ist ständig im Wandel begriffen und wird durch die drei Gunas (Eigenschaften der Natur) genährt. Die Wurzeln dieses Baumes sind unsere vergangenen Handlungen und Wünsche (Karma), die sehr tief im Boden der materiellen Existenz verankert sind. Um diesen Kreislauf von Geburt und Tod (Samsara) zu überwinden, muss man diesen Baum mit einem starken Schwert der Nicht-Anhaftung (Asanga-Shastra) fällen. Nicht-Anhaftung bedeutet, frei von Wünschen, Ego und dem Verlangen nach den Früchten der Handlungen zu sein. Nur durch diese Loslösung kann man zur ursprünglichen Quelle des Seins zurückkehren und die Befreiung erlangen.

Es gibt keine spezifische Geschichte, die direkt mit diesem Vers in Verbindung gebracht wird, über seine philosophische Bedeutung im Kontext der Bhagavad Gita hinaus. Die Metapher des umgekehrten Baumes, der für die materielle Existenz steht, findet sich auch in anderen alten indischen Schriften wie den Katha-Upanishaden, wo er ebenfalls als eine Darstellung des Universums dient, dessen Wurzeln im Höchsten Brahman verankert sind und dessen Äste sich in die materielle Welt erstrecken.

Satz - 1

———

न रूपमस्येह तथोपलभ्यते नान्तो न चादिर्न च सम्प्रतिष्ठा ।

———

Bedeutung

Dessen wahre Form wird hier (in dieser Welt) nicht wahrgenommen; weder sein Ende noch sein Anfang, noch seine feste Grundlage.

Meaning of Words

na

nicht

रूपम्

ruupam

Form, Gestalt

Die äußere Erscheinung, die Gestalt oder die Struktur von etwas. In diesem Kontext bezieht es sich auf die wahre Natur oder das Wesen des materiellen Daseins, das nicht direkt erkennbar ist.

अस्येह

asyeha

dessen, in dieser Welt

Dies ist eine Kombination aus ‘asya’ (dessen, seiner) und ‘iha’ (hier, in dieser Welt). Es bedeutet, dass in der materiellen Welt, in der wir leben, die wahre Natur des kosmischen Baumes (der materiellen Existenz) nicht zu sehen ist.

तथोपलभ्यते

tathopalabhjate

so, auf diese Weise, wird wahrgenommen

Dies setzt sich zusammen aus ‘tathā’ (so, auf diese Weise) und ‘upalabhyate’ (wird wahrgenommen, ist zu finden). Es drückt aus, dass die Form des materiellen Daseins nicht so, wie sie wirklich ist, hier wahrgenommen werden kann.

नान्तो

naanto

weder das Ende

Eine Verbindung aus ‘na’ (nicht) und ‘antaḥ’ (Ende). Es bedeutet, dass das Ende des materiellen Kreislaufs oder der Existenz dieses Baumes in dieser Welt nicht ersichtlich ist.

चादिर्न

tschaadirna

und der Anfang

Eine Verbindung aus ‘ca’ (und), ‘ādiḥ’ (Anfang, Ursprung) und ‘na’ (nicht). Es bedeutet, dass auch der Anfang oder Ursprung dieses materiellen Daseins nicht wahrnehmbar ist.

tscha

und

सम्प्रतिष्ठा

sampra-tischthaa

feste Grundlage, Existenz

Eine feste Position, eine etablierte Grundlage oder ein stabiles Fundament. Der Vers besagt, dass auch eine solche feste Basis für das materielle Dasein hier nicht gefunden werden kann, was seine Unbeständigkeit und Illusionshaftigkeit betont.

Satz - 2

———

अश्वत्थमेनं सुविरूढमूलं असङ्गशस्त्रेण दृढेन छित्त्वा ॥

———

Bedeutung

Diesen Ashvattha (Feigenbaum des Materiellen), dessen Wurzeln sehr tief verwurzelt sind, soll man mit dem festen Schwert der Nicht-Anhaftung fällen.

Meaning of Words

अश्वत्थमेनं

aschwatt-ha-menam

den Ashvattha

Dies ist eine Kombination aus ‘Ashvattha’ (der heilige Feigenbaum, hier eine Metapher für den Baum des materiellen Daseins, Samsara) und ‘enam’ (diesen). Der Ashvattha-Baum ist in der vedischen Literatur ein Symbol für die Vergänglichkeit und den ewigen Kreislauf der Existenz, der verkehrt herum beschrieben wird, dessen Wurzeln nach oben und dessen Äste nach unten reichen. Hier steht er für die gesamte materielle Welt.

सुविरूढमूलं

suwiruudha-muulam

dessen Wurzeln sehr tief verwurzelt sind

Eine Verbindung aus ‘suvirūḍha’ (sehr tief verwurzelt, fest etabliert) und ‘mūlam’ (Wurzel). Es beschreibt, dass die materiellen Anhaftungen und Wünsche so tief in uns verwurzelt sind wie die Wurzeln dieses Baumes, was es schwierig macht, sich von ihnen zu lösen.

असङ्गशस्त्रेण

asanga-schastrena

mit der Waffe der Nicht-Anhaftung

Dies setzt sich zusammen aus ‘asaṅga’ (Nicht-Anhaftung, Loslösung) und ‘śastreṇa’ (mit der Waffe, mit dem Schwert). Es bedeutet, dass das einzige Mittel, um die tief verwurzelten Bindungen an die materielle Welt zu durchtrennen, die geistige Haltung der Nicht-Anhaftung ist - das Loslassen von Wünschen, Ego und dem Verlangen nach den Früchten der Handlungen.

दृढेन

dridhena

fest, stark

Bezieht sich auf die Qualität des Schwertes der Nicht-Anhaftung, das fest und unerschütterlich sein muss, um die starken Wurzeln des materiellen Daseins zu durchtrennen.

छित्त्वा

tschittwaa

nachdem man gefällt hat, durch Fällen

Die Handlung des Fällens oder Durchtrennens. Hier metaphorisch verwendet, um das Überwinden und Beseitigen der materiellen Anhaftungen zu beschreiben.